Naturheilmittel

z.B. Johanniskraut


Depressive Verstimmung – doch nicht auf Föhr –
dagegen ist ein Kraut gewachsen.....


Psychovegetative Störungen und depressive Verstimmungen nehmen zu. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Die Hauptursache sind Leistungsdruck, Streß und Überforderung in Beruf und/oder Familie. Auch der Lichtmangel in den Wintermonaten sowie trübes und trauriges Wetter in unseren Breiten kann dazu beitragen.

Schon seit einigen Jahren ist der Trend zu Naturheilmitteln und pflanzlichen Arzneizubereitungen zu verzeichnen, ist doch die bewußte Anwendung von Pflanzen oder deren Zubereitungen zur Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen so alt wie die Menschheit selbst. So wurde Johanniskraut (Hypericum perforatum) bereits in der Antike beschrieben, heute führen Wirksamkeitsnachweise des Tees und standardisierter Präparate ständig zu neuen Ergebnissen.

Die Stammpflanze Johanniskraut, latein. Hypericum perforatum, ist eine anspruchslose einheimische Pflanze, die trockene Böden an Wald- und Straßenrändern bevorzugt. Im Frühjahr treiben aus weitverzweigten Wurzelstöcken einzelne oder büschelbildende kantige bis 60 cm hohe Stengel, die sich oben verzweigen. Die elliptisch durchscheinend punktierten Blätter sitzen direkt am Stengel. Johanniskraut blüht stets pünktlich zum Johannisfest mit leuchtend gelben Blüten in endständigen Trugdolden. Beim Zerreiben der perforiert erscheinenden Blätter tritt ein (blut-)roter Saft aus. Der Volksmund hat der Pflanze viele Namen gegeben und sagt dem "Hexenkraut" magische Kräfte nach, um Teufel und Dämonen zu vertreiben.

Die ursprüngliche Anwendung bezog sich auf das leuchtend rote Öl, ein Auszug des Krautes in Olivenöl, welches durch seine entzündungshemmende Wirkung die Wundheilung fördert. Man gebraucht es zur Einreibung bei Rheuma, Hexenschuß und zur Schmerzlinderung nach Verstauchungen und Prellungen. In der Geburtspflege wird es zur Pflege der Brustwarzen stillender Mütter verwendet.

Im Vergleich dazu stellt die Anwendung von Johanniskraut bei leichten depressiven Verstimmungen und psychovegetativen Störungen eine relativ neue Therapieform dar. So wirkt ein Johanniskrautextrakt angstlösend und nervenberuhigend. Patientinnen beobachten bereits nach 10 bis 14 Tagen eine deutliche Stimmungsaufhellung und Aktivitätssteigerung. Die volle Wirksamkeit wird nach ca. 8 Wochen erreicht und wegen der allgemein guten Verträglichkeit eignen sich Johanniskrautextrakt auch zum längeren Gebrauch. Die Wirksamkeit wurde durch zahlreiche klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen nachgewiesen. Bei leichten Depressionen ist Johanniskraut mit einem handelsüblichen trizyklischen Antidepressivum gleichwertig in der Verbesserung der mentalen Lebensqualität, während die physische und damit körperliche Lebensqualität sich nur unter Johanniskraut verbesserte, nicht zuletzt durch die hohe Nebenwirkungsrate herkömmlich, chemisch definierter Antidepressiva (46%) der ersten Generation. Die Zahl unerwünschter Wirkungen von Johanniskraut kam der Einnahme von Plazebo-Präparaten gleich. Johanniskrautpräparate werden sehr gut vertragen. Sie beeinträchtigen das Reaktionsvermögen nicht und es besteht kein Suchtpotential.

Die auffälligste Inhaltsstoffgruppe im Johanniskraut sind die Hypericine, die dem Extrakt die rote Färbung verleihen. Sie sind photodynamisch wirksam, d.h. sie bewirken eine erhöhte Sensibilität der Haut auf Sonnenlicht. Dies bedeutet, daß die Haut einen höheren Nutzen aus der vorhandenen Lichtmenge zieht. Was im Sommer durch erhöhte Sonnenbrandgefahr bei sensiblen Hauttypen eher eine lästige Nebenwirkung ist – denn wer eine Johanniskrautkur macht, sollte starke Sonneneinwirkung, Höhensonne und Solarium meiden – kann in den sonnenarmen Wintermonaten sehr hilfreich sein. Weitere Bestandteile sind Flavonoide, Phloroglucine (Hyperforin) und Gerbstoffe sowie ätherisches Öl. Hierbei rechnet man nach neuesten Ergebnissen dem Hyperforin die höchste antidepressive Potenz zu. Dennoch wird heute stets noch der Gesamtextrakt und nicht ein einzelner Wirkstoff eingesetzt, was in Einzelfällen zu Wechselwirkungen mit einigen wenigen speziellen Arzneimitteln kommen kann.

Gehört die Behandlung echter Depressionen und psychiatrischer Probleme auf jedem Fall in die Hände eines Arztes, ist eine Selbstmedikation bei psychovegetativen Störungen und vorübergehend depressiven Verstimmungszuständen mit Johanniskrautpräparaten allerdings sehr gut möglich. Besonders im Zusammenhang mit klimakterischen Beschwerden hat sich die Anwendung bewährt. Zu den Leitsymptomen der psychovegetativen Störungen gehören nervös bedingte Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magenprobleme sowie innere Unruhe, Nervosität, Gereiztheit und Abgespanntheit. Demgegenüber findet man bei der depressiven Verstimmung Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, mangelndes Selbstvertrauen, gedrückte Stimmung, Erschöpfung (Burn out Syndrom), Angst und Hoffnungslosigkeit.

Worauf ist bei Johanniskrautpräparaten zu achten? Zum einen steht die Anwendung des Tees zu Verfügung. 1-2 Teelöffel getrocknetes, fein geschnittenes Kraut mit 1 Tasse siedendem Wasser übergießen, ca. 10 Minuten ziehen lassen. Abseihen. Morgens und abends 1-2 Tassen trinken. Eine exaktere Dosierung der Extraktmenge bietet jedoch die Einnahme von standardisierten Pflanzenpräparaten. Die Auswahl des geeigneten Präparates sollte hierbei sehr sorgfältig erfolgen. Dabei ist auf eine Extraktmenge von ca. 300 –400 mg Trockenextrakt sowie ein Droge/Extrakt-Verhältnis von ca. 5:1 zu achten. Wichtig sind ferner ein geeignetes Extraktionsmittel sowie eine Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Monographie der Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel (ehemals Bundesgesundheitsamt). Da die Anzahl der Fertigpräparate ständig wächst, lassen Sie sich am besten in Ihrer Apotheke bei der Auswahl umfassend beraten!